Norwegen 2008

Je näher unser Abreisetermin zum diesjährigen Törn mit der Heide-Witzka rückt, desto schlechter wird das Wetter. So, wie unsere Vorgänger sich vor Sonne schützen mußten, werden wir - Heike, Gudrun, Reinhard und Claus - uns dann wohl vor Kälte, Wind und Regen schützen müssen und so ähnlich kommt es dann ja auch. Unser erster Segeltag ab Strömstad ist

Samstag, 14.06.08
Nach dem Vertrautmachen mit dem Schiff und seinen Sicherheitseinrichtungen beginnen wir unsere Reise. Heutiges Ziel ist Hankö, das Segelmekka, wenn der König gerade Lust zum Segeln hat. Der König hat heute keine Lust und wir gehen an eine Festmacherboje und beobachten neben vorbeiflitzenden Wolken die rätselhaften Manöver einer Yacht gegenüber

Sonntag, 15.06.08
Das Sonntagswetter am nächsten Morgen besteht aus 6° C Kälte, Hagelschauer und Regen. Gegen Mittag machen wir die Leine los und segeln mit achterlichem Wind den Oslofjord nordwärts. Herrlich! Am liebsten bis nach Oslo. Aber der Blick auf die Wettervorhersagen macht klar: Wenn wir jetzt nach Oslo segeln, motoren wir anschließend bei 6 Bft. gegenan zurück. Denn ob wir bei schlechtem Wetter und mäßiger Sicht im Oslofjord kreuzen können, können wir nicht einschätzen. Wir haben alle noch nicht auf eigenem Kiel in dieser Region gesegelt. Und die Grundberührung beim Törn einer früheren Crew flößt uns Respekt vor dem ein, was unsichtbar unter der Wasseroberfläche sein kann. Also geht´s nur bis Horten. Statt eines freundlichen Hafenmeisters gibt es dort nur einen teilnahmslosen Automaten, der die Hafengebühr nur in Münzen annehmen will. Oder EC-Karte.

Montag, 16.06.08
Blaßwind. Warten oder motoren? Wir motoren, bis Wind kommt und kreuzen zu unserem nächsten Ziel Magerö. So geht es auch: Hafengeld selber ausrechnen und in einem Umschlag in den Briefkasten stecken.

Dienstag, 17.06.08
Wir stehen um 0600 auf und um 0800 heißt es "Leinen los". Leider kommt das bißchen Wind von dort, wo wir hin wollen: von Süden. Also motoren, bis wir diesen Leichtwind nach Kurswechsel zum Kreuzen nutzen können. Wir trödeln mal, dann kommt wieder Fahrt auf. Eine riesige Makrele von 178 mm Länge hat sich mit Reinhards Angel angelegt und verloren.

Mit 2-3 Knoten geht es dann in den Sandefjord. Als wir kurz vor dem Hafen sind, haben wir immerhin schon fast 6 Knoten auf der Logge. Brav legen wir uns zwischen Mooringboje und Kai.
Aber der Wind - inzwischen ganz ordentlich - kommt stramm querab. Also lassen wir uns an die Kaimauer vor das Restaurant gleiten. Der Hafen ist fast leer. Mit unserem ersten Einkauf klappt das nicht so richtig. Um 1700 Uhr schlossen die letzten Geschäfte (Später finden wir noch einen Supermarkt). Zu Abend wird die Makrele verzehrt. Jedes Crewmitglied erhält ein kleines Stückchen Fisch auf einem großen Stückchen Brot.

Mittwoch 18.06.08
Wieder um 0600 aufstehen und um 0730 Leinen los. Kaum kommen wir aus dem Fjord, tut sich das Wetter vor uns auf, das eigentlich später kommen sollte: Schwarze Wolken, rasch zunehmender Wind und Gewitter. 6-7 Beaufort waren für später angesagt. Darum wollten wir so früh los. Nun ist das Wetter doch schon da. Wir kehren um und preschen mit achterlichem Wind zurück an unseren alten Liegeplatz. Die Nachbarin kommt vom Brötchenholen zurück und erklärt: "Das habe ich gleich zu meinem Mann gesacht: Die kommen wieder, sach ich. Na, ja, hab ja recht behalten." Ihr Mann Siggi ist mit dem Skipper eines norwegischen Rettungskreuzers befreundet und von dem hören sie immer wieder von den Notfällen vor dem Sandefjord und dem Larvikfjord. Seine Empfehlung ist, ab 4 Bft nicht mehr in dieses Gebiet zu fahren. Auf die Gefahren wird auch in den Seekarten hingewiesen: "Vorsicht! Gefährliche Wellen" Am Abend stellen wir fest, daß wir uns wahrscheinlich von einer einsamen Bö vertreiben lassen haben, denn der restliche Tag war eigentlich sehr schön.
Sandefjord hat im Hafenbereich einen kostenlosen hotspot, sodaß wir ins Internet können, um alle möglichen Wetterberichte anzusehen. Egal, wohin wir klicken: Für den nächsten Tag ist nun eindeutig Verschlechterung des Wetters angesagt und wir stellen uns auf einen Hafentag ein.

Donnerstag, 19.06.08
Hafentag. Sandefjord ist eine alte Walfängerstadt, deren Bewohner einst viel Geld mi dem Walfang verdienten. Das Walfängermuseum und das Museums-Walfängerschiff zeugen von dieser Zeit.
Wir bummeln durch den Ort, checken die Cafés und kaufen dann frische Schollenfilets am Steg. Leider stand nicht dabei, wann die Schollen frisch waren. Das Schiff stinkt noch nach drei Tagen nach Bratfisch.

Freitag, 20.06.08
Hafentag. Siggi sagt: "Bleibt drinnen!" Aber Sonntag ist unser Tag!

Sonnabend, 21.06.08
Hafentag. Siggi sagt nicht "Bleibt drinnen". Merkt man auch so. Das nervt. Sechs mal am Tag "kommt" das Wetter auf dem Empfänger. Aber 20 mal guckt jede/r hin: Vielleicht doch eine Besserung? Gibt´s vielleicht eine Lücke, die uns raus läßt? Aber morgen ist unser Tag.
Unser Motorboot-Nachbar, fragt, ob wir den "Havneguiden #2" kennen. Nein. Wir haben andere Unterlagen. "Dann habe ich etwas für euch", meint er und holt sein Hafenhandbuch. Weil er erkennt, daß wir bis morgen früh keine Gelegenheit haben, eines zu kaufen, verkauft er uns sein Exemplar. Das Buch erweist sich wirklich als sehr hilfreich.
Für den Abend hat Heike ein Konzert ausfindig gemacht. Wir wollen uns gerne ablenken lassen, aber daraus wird nichts. Mit Bedauern wird erklärt, die Gruppe sei einfach nicht aufgetaucht. Nächstes Lokal. Einsamer Gitarrist unterhält 6 Gäste. Als wir gegangen waren, waren´s nur noch 2. Am Schiff angekommen, stellen wir fest, daß in dem Restaurant vor unserem Schiff das wahre Leben zu finden ist. Laute Musik, Stimmen, Gelächter, dröhnender Sound von Rennboot-Motoren neben uns ("Willst mal hören?" und schon wieder wird der Motor für 10 Sekunden gestartet).
Noch mal Wetter. Der Wind soll etwas abnehmen. In den vergangenen Tagen kam der Wind immer erst im Laufe des Vormittags. Also müssen wir die Zeit davor nutzen, durch das Warngebiet durchzukommen. Trotz des Klanggewirrs finden wir unseren Schlaf. Morgen ist unser Tag.

Sonntag, 22.06.08
Unser Tag!
Um 0330 aufstehen, um 0350 Leinen los! Gefrühstückt wird später. Je weiter draußen, desto größere Wellen. Mit Motor, zweitem Reff und ohne Fock arbeiten wir uns um das Gefahrengebiet herum, bis endlich ein guter Kurs angelegt werden kann. Ohne Reff und mit Genua machen wir gut Fahrt. Wir wollen nach Valle, wo wir schon um 0900 festmachen. Valle besteht im Wesentlichen aus einem SPAR-Laden, zu dem die (Ferien-)Bewohner der umliegenden Inseln mit ihren Motorbooten und -bötchen fahren um einzukaufen.
Das Übernachten ist kostenlos, aber erst nach Geschäftsschluß.
Reinhard hält die Angel ins Wasser und holt sofort 4 Makrelen an einer Leine aus dem Wasser. Nach 10 Minuten haben wir 9 Makrelen und 3 Leute freuen sich schon auf eine leckere Fischmahlzeit, während Reinhard die Fische ausnimmt und filetiert.

Montag, 23.06.08
Starkwind. Ausschlafen. Der Wind soll zum Nachmittag abnehmen.
Um 1230 legen wir ab mit Ziel Kragerö. Zwischen Felswänden, an die kleine Ferienhäuser "geklebt" sind, motoren wir gegenan. Es ist einfach immer wieder beeindruckend, zwischen den Felsen oder in den Fjorden zu fahren.

Leider passen Wind und Ziel nicht richtig zusammen. Wir müssen viel zu viel motoren.

In der Einfahrt nach Kragerö empören wir uns gemeinsam über die abgeladenen Holzabfälle auf einer kleinen Insel neben dem Fahrwasser. Nach 3 Stunden reiner Fahrt unter Motor machen wir fest in Kragerö. Dort erfahren wir von dem St. Hans-Tag, der am Abend mit einem riesigen Feuer auf einer der kleinen Inseln vor Kragerö seinen Abschluß findet. Aha! Darum das Holz! Mit Kissen und Keksen und Getränk ziehen wir auf Empfehlung des Touristbureaus auf ein Plateau, von wo aus wir das Feuer und die zunehmende Zahl von Schiffen, die das Feuer umkreisen, beobachten.

Ach, ja - bei dieser Gelegenheit an alle Segler, die zur Sonnenwende immer und überall nur besoffene Skandinavier durch die Gegend torkeln sehen: Auf dieser und auch früheren Touren haben wir keine davon entdeckt. Im Gegenteil: Freundlich, (fast) ohne Alkohol, gesellig, mal auch mit Volkstanz haben wir die Sonnenwende bisher nur als fröhliches aber gleichzeitig auch stilles Vergnügen erlebt.

Dienstag, 24.06.08
Mit Groß und Genua gerefft geht´s dem nächsten Ziel zu: Ankerbucht Narvika. Auf dem Wege dorthin sehen wir merkwürdige Schaumspuren in einer kilometerlangen, mäandernden Linie auf dem Wasser, ähnlich dem Kielwasser eines großen Seeschiffes. Aber weit und breit ist kein Schiff zu sehen. Ich muß 15° vorhalten, um den Kurs über Grund zu halten. Dann durchfahren wir die "Schaumlinie" und abrupt muß ich nicht mehr vorhalten - die Linie ist die Trennlinie zwischen zwei unterschiedlichen Strömungen.
Und nicht nur das; Die Wellen verhalten sich diesseits und jenseits der Linie unterschiedlich. Ein Blick auf die Karte erklärt: Tiefenunterschiede von 60 m an dieser Stelle.

Die Einfahrt in die Ankerbucht ist so schmal, daß ich sie zunächst gar nicht sehe. Aber der Plotter zeigt ganz klar: Da muß es sein! Also: Hinfahren, durchfahren und schon bist du drin. Anker raus und gut ist. Ein weiterer Deutscher hatte sich schon den besten Platz ausgesucht.

Mittwoch, 25.06.08
Blaßwind. Eine gewisse Zeit reicht der Wind, dann müssen wir wieder motoren. Die Einfahrt nach Tvedestrand ist natürlich mal wieder ein Erlebnis. Die Häuser dürfen alle nur weiß gestrichen sein wegen des pittoresken Panoramas. Bis auf das eine rote Haus. Das darf rot sein.

Im Ort: Bücher, Bücher Bücher! Es gibt etwa ein Dutzend Geschäfte für Buchantiquariat, die auch online verkaufen. Die meisten haben sich auf ein bestimmtes Thema spezialisiert.

Donnerstag, 26.06.08
Heute wollen wir uns eine kleine Insel zum Festmachen am Fels aussuchen. Ganz klappt das nicht, aber so ähnlich. Wir legen uns mit Heckanker neben ein anderes Schiff mit dem Bug an einen kleinen Steg. Um uns vom Nachbarn freizuhalten, legen wir noch eine zusätzliche Leine. Und dann fährt der Nachbar ab. Das Kind muß nach Haus. Na, ja. Abends ändern wir die Leinen dann noch.

Wir sind an einer traumhaften Insel gelandet, ein Naturschutzgebiet, das aber mit Wegen und Brücken für die Bewunderer ausgebaut ist.

Von der Exkursion zurückgekehrt ruft uns ein Motorbootfahrer zu, ob wir gerne Fisch essen möchten. Dann kommt er längsseits und spendiert uns aus seinem Fang 6 Makrelen.

Freitag,7.06.08
Diesig, naß, grau, windstill. Die richtige Stimmung für den letzten Tag unserer Reise. Wir fahren nach Arendal, wo die nächste Crew das Schiff übenehmen wird.

In strömendem Regen legen wir an. Was macht man bei solchem Regen? Also, noch leichter bekommt man das Wasser zum Deckschrubben nicht auf das Schiff. Also schrubben wir. Kaum fertig, kommt die riesige Infrarotlampe am Himmel durch die Wolken und trocknet Schiff sowie die Segelklamotten und hebt die Stimmung.

Ein Gang über den mit allerlei Freßständen sowie Thai-Massage, Tourismusinformationsständen und Zelten mit Landesspezialitäten bestückten Markt bereichern den Tag und am Abend gibt es Live Musik auf dem Oldtimer, der sich phantasievoll vor einer Einbuchtung der Hafenkate festgemacht hat.

Samstag, 28.06.08

Unsere Crew hat sich zum Schlafen in Salon und eine Kabine zurückgezogen, so daß die nachts eintreffende Nachfolgecrew gleich ihre Kojen beziehen kann.

Nach kurzem Frühstück machen wir uns auf die Heimreise und lassen 14 Tage Segelreise vor unserem inneren Auge passieren.

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