Legerwall - Rettungsaktion in »Hejlsminde«

Von Johann Sperhake

Nachdem ich in einer Bucht vor »Hejlsminde« mit meinem selbst gebauten Beiboot ein befreundetes Ehepaar an Bord geschafft habe, binde ich mein Beiboot am Heck der Bianca 26 an, um zur Insel Bransö zu segeln. Das Wetter ist sehr schön und wir beschließen, hinter der Insel zu ankern und die Insel zu erkunden.



Gesagt getan, ich werfe den Anker, überprüfe den festen Sitz und beginne mit dem Ausbooten meiner Gäste. Zuerst den Mann, bringe ihn auf die Insel. Auf der Rückfahrt zum Schiff sehe ich, wie es sich unnatürlich zur Seite neigt, ich ahne Schlimmes. Die Frau, noch an Bord befindlich, fängt an zu schreien. So schnell meine Surfbretter es zulassen, fahre ich hin.
Aber ich komme zu spät: das Schiff hat sich schon auf die Seite gelegt und wird von den Wellen immer weiter auf Land getragen. Der Rumpf trommelt auf den Grund und wird bei jeder Welle weiter ins Flach gezogen. Die Frau schreit immer lauter, sie hält sich krampfhaft an dem um 45 Grad gekrängten Schiff fest. Es liegt mit 1,60 Meter Tiefgang auf ca.0,8m Tiefe. Irgendwie gelingt es mir, die Frau von Bord auf mein Surfmobil zu bringen. Fahre sie zu ihrem Mann auf die Insel.

Immer das hässlich Geräusch von meinem Schiff im Ohr, wie es auf dem Grund des Meeres aufsetzt, fahre ich mit meinem Gerät wieder hinaus. Um mein Schiff zu retten, spanne ich das Surfmobil vor mein Schiff und will es mit dem Außenborder ins tiefe Wasser ziehen. Keine Chance, ich überschlage mich mit meinem Mobil und lande kopfüber im Wasser - mein Mobil aber auch. Ein hässliches Geräusch von meinem Außenbordmotor zeigt an: er ist auch unter Wasser.

Da ich unterdessen stehen konnte - 0,7 Meter - drehte ich mein Mobil wieder um und zog es watender Weise an Land. Immer noch hörte ich die grausamen Geräusche meiner Bianca, wie sie bei jeder Welle auf dem Boden aufsetzte.

Das Ehepaar hatte sich beruhigt und wir überlegten, wie wir wieder von der Insel kommen könnten. Der Mann hatte während meiner Rettungsaktion eine Fähre mit einem Trecker gesehen. Sie lag etwa einen Kilometer weiter an einem Steg. Ich lief mit den anderen zur kleinen Fähre. Es waren Dänen, die eine Weihnachtsbaumplantage bearbeiten sollten. Ich fragte den Kapitän, ob er mir helfen könnte, er sagte auf eigene Gefahr würde er mir helfen, aber er könne nicht zum Schiff fahren, da sei es auch für ihn zu flach.

Ich rannte zu meinem Schiff zurück, lief ins Wasser band ein Tau an mein Schiff und schwamm mit dem anderen Ende zu der Fähre, die etwas weiter draußen wartete. Dann schwamm ich zurück, um bei Gelingen auf mein Boot zu steigen.

Die Fähre zog an, es gab einen Knall und mein Tampen war gerissen. Der Kapitän rief mir zu, ich solle noch einmal zu ihm schwimmen, um ein Tauwerk von ihm zu holen, etwa 80mm stark. Nach dem ich die Fähre erreicht hatte, bekam ich das Tauwerk um meinen Körper gebunden und fing an zu schwimmen.

Das Land kam nicht näher und meine Kräfte wurden immer schwächer, immer dachte ich du musst es schaffen sonst hast du kein Schiff mehr. Zu viele Schläge auf Legerwall zerstören den Rumpf und dann  – Totalschaden. Es kam mir endlos vor, aber auf einmal bekam ich den Grund mit meinen Füßen zu fassen.
Ich konnte mich ein wenig erholen zog nun mit allen Kräften den Tampen um meinen Kiel und macht einen Palstek in das Tauwerk, gab dem Kapitän ein Zeichen und er fing an zu ziehen, der Motor heulte auf und meine Bianca bewegte sich in Richtung tiefes Wasser, dabei einen richtigen Graben schaufelnd. Ich schwang mich auf mein Schiff und nach kurzer Zeit war ich in tiefem Wasser und startete meinen Motor, um Freiheit vom Flach zu bekommen.

Aber nun kam das Problem mit meinen Gästen die waren noch an Land und mein Außenborder war buchstäblich abgesoffen. Nach einer kurzen Unterhaltung mit dem Kapitän der Fähre sagte er mir, er würde sie mir von Land holen, aber ich könnte nicht bei ihm anlegen, er würde mein Schiff zerquetschen bei dem Wellengang. Da kam mir die Idee, er möge den Surfstuhl hinten anbinden und die Eheleute darauf platzieren.

Gesagt getan, ich warf eine Leine zu Fähre herüber, die an dem Surfstuhl befestig wurde. Nachdem die Fahrgäste Platzgenommen hatten, zog ich mit Hilfe der Leine mein Beiboot zu mir herüber und die Gäste konnten wieder auf mein Schiff umsteigen. Da die Verbindung zur Fähre über die zweite Leine noch bestand, belud ich mein Beiboot mit allem, was ich an Alkohol an Bord hatte und wir zogen es noch einmal mit einem herzlichen Dank zur Fähre ...

Am nächsten Tag hörte ich, die Arbeiter seien an diesem Tag nicht mehr von der Insel weg gekommen. Erst einen Tag später kamen auch sie in Hejlsminde an.

Johann Sperhake

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