Nonstop nach St. Petersburg

Von Volker Weidling

Im Zuge von »Glasnost« im Osten und vor Anschaffung des ersten Vereinsschiffs fassten einige Vereinsmitglieder den Plan, non stop nach St. Petersburg (damals noch Leningrad) zu segeln und auf dem Rückweg Stockholm zu besuchen.


Die Reise begann am 03. Mai 1992 in Wendtorf. Im Mai ist in diesem Seegebiet häufig mit Ostwind, Seenebel oder Windstille zu rechnen. Aber wir hatten Glück und konnten meist bei achterlichen Winden unseren Kurs verfolgen.Da wir unserem Ziel zügig näher kamen, konnten wir einen kurzen Zwischenstopp auf Gotland/Ronehamn einlegen und danach der Hauptstadt von Estland, Tallin, einen Besuch abstatten, wo wir am 08. Mai 1992 im vormaligen OIympiahafen »Pirita« festmachten und zwei Tage später die Reise fortsetzten.
Vor dem Einlaufen nach St. Petersburg erfolgte auf See eine vorläufige Passkontrolle, südlich von Gogland (nicht zu verwechseln mit Gotland). Eine Korvette stoppte uns über Funk. Dann kam ein Motorboot längsseits, das offensichtlich seine besten Zeiten unter dem Zaren hatte.
Am 12. Mai legten wir im Passagierhafen von St. Petersburg an einer hohen Kaimauer für große Schiffe an. Für Sportboote gab es damals noch keine Einklarierungsstelle. Die Beamten von Zoll und Passkontrolle krabbelten notgedrungen und schimpfenderweise zu uns aufs Schiff hinunter. Nach der Einklarierung fuhren wir dann unter Motor zum Sportboothafen der »Baltic Sailing Company«, wo wir nach rd. 880 sm festmachten.
Die nächsten Tage verbrachten wir mit unserem Fremdenführerpaar und besichtigten die eindrucksvolle Stadt. Am 15. Mai kam unsere Ablösecrew unter Skipper Timm Peters, die mit einem VW-Bus die lange Reise von Buchholz bewältigt hatten. Wegen der unlesbaren kyrillischen Buchstaben hatten wir den Busreisenden unsere Koordinaten im Hafen durchgegeben.
Wir sind dann über Karelien nach Helsinki gefahren, von wo uns die Fähre sicher und bequem nach Travemünde gebracht hat. Die Nachfolgecrew segelte wie geplant nach Stockholm (546 sm). Hier übernahm der Eigner und neue Skipper Peter Maschotta das Schiff und brachte es über rd. 670 sm zurück nach Wendtorf. Dort kam es nach rd. 2.100 sm wohlbehalten und ohne besondere Vorkommnisse wieder an.

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