Wir waren im Westen, wir waren im Osten..

Von Peter Oberbeck

Der Anfang dieses Refrains aus einem Seemannslied bezieht sich zwar ursprünglich auf die weltweite Fahrt vieler Seeleute, aber die letzten 20 Jahre haben gezeigt, dass man auch mit der »Heide-Witzka« bei den jährlichen Sommertörns zwischen Norwegen, Finnland und Litauen sehr weit herumkommen kann. Seit 1994 habe ich in fast jedem Jahr – und damit in diesem Sommer 2013 zum zwanzigsten Mal – einen Sommertörn mit der »Heide-Witzka« gemacht. Nur 2001 und 2007 hatte ich kein Glück beim Knobeln, konnte mit meiner Crew aber trotzdem den gewohnten Sommertörn durchführen, weil 2001 Claus Krüger die »Thetis« und 2007 Jens Weidling die »Nadir« als Ersatz zum Chartern zur Verfügung gestellt haben.

In meiner Crew gab es über diese lange Zeit eine große Konstanz, denn neben mir war ein Mitsegler bei 19 Törns an Bord, ein anderer 18-mal und der dritte 13-mal. In den Jahren von 1994 bis zum Jahr 2012 haben wir dabei 4896 sm hinter uns gelassen. Das für die Vereinstörns erdachte Übergabesystem von Crew zu Crew hat dabei immer hervorragend funktioniert, so dass wir auch die entlegenen Ziele problemlos ansteuern konnten. In all den Jahren haben wir nur wenige Häfen zweimal angelaufen. Der Törnplan ließ es jedes Jahr wieder zu, neue Routen zu finden und noch nicht besuchte Häfen anzusteuern. Im Laufe der Zeit ist der Satz »Jeder Törn ist anders« in der Crew zu einem geflügelten Wort geworden, denn in jedem Jahr haben wir am Ende unserer Segelwoche wieder feststellen können, dass wir erneut mit der »Heide-Witzka« einen ganz unverwechselbaren Törn erlebt hatten.


So führte uns der Törn im Jahr 2005 ganz nach Osten bis Klaipeda in Litauen. Alles begann wunderbar mit einer herrlichen Fahrt durch das Haff vom Übergabehafen Nidden aus nach Klaipeda. Am ersten Abend lagen wir dort in einem ruhigen Hafenbecken und ahnten nicht, dass uns dieser Hafen im Verlaufe der Woche noch sehr vertraut werden würde. Am nächsten Tag segelten wir nach Liepaja in Lettland und wollten am Folgetag unser Etappenziel Danzig ansteuern.

Wenige Stunden nach dem Auslaufen wurden die Wettermeldungen allerdings kritischer. Weil wir noch ziemlich am Anfang unserer Woche waren, entschlossen wir uns, noch einmal nach Klaipeda zurückzukehren. Diese Entscheidung erwies sich seglerisch als richtig, denn der Wind nahm schnell zu und als wir wieder im Mündungsbereich der Memel waren, erreichten die Wellen schon eine beachtliche Höhe. Wir machten im bekannten Hafen fest und in der folgenden Nacht begann ein Unwetter mit Sturm und Starkregen, das die nächsten vier Tage fast ununterbrochen anhielt. Wir saßen buchstäblich in der Falle, denn bei einem derartigen Weststurm war ein Auslaufen aus der Memel unmöglich.

Ab Mittwoch wurden wir unruhig, denn die Folgecrew sollte das Schiff ja am Samstag in Polen übernehmen. Weil das Unwetter aber nicht nachließ, musste diese Crew schließlich den beschwerlichen Landweg bis Klaipeda mit dem Auto zurücklegen. Auch diese Crew konnte schließlich wegen des anhaltend hohen Wellenganges erst Mitte ihrer Charterwoche den Rückweg nach Danzig antreten.

Das war ein Törn unter dem Motto: Segeln einmal anders – aber erlebnisreich war es trotzdem.

Dort, wo man eigentlich starken Wind und eher schlechteres Wetter erwartet, haben wir im Westen im Jahr 2009 das Gegenteil erlebt. Der westlichste Punkt unserer bisherigen Törns war eine Insel, die allen aus dem Wetterbericht bekannt ist, auf der mit der »Heide-Witzka« außer uns aber noch niemand gewesen ist: Utsira-Süd, vor der norwegischen Westküste gelegen. Bei traumhaftem Wetter erlebten wir diese eigentlich eher raue Insel als sehr einladend. Außer uns lag im kleinen Hafen nur ein weiteres Schiff und nach einem ausführlichen Inselspaziergang verbrachten wir bei sehr mildem Wetter große Teile der folgenden Vollmondnacht im Cockpit der »Heide-Witzka«.

Am nächsten Tag ging es zurück an die norwegische Westküste, zunächst nach Farsund. Dort ist man sehr um segelnde Gäste bemüht und deshalb verteilen in Trachten gekleidete Mitarbeiter des Fremdenverkehrsbüros morgens frische Brötchen an die Gastlieger. Um den Leuchtturm Lindesnes herum, den südlichsten Punkt Norwegens, ging es dann zurück zu unserem Übergabehafen Kristiansand, in dem wir zum Abschluss dieses abwechslungsreichen Norwegentörns die Angebote eines fröhlichen Hafenfestes wahrnehmen konnten.

Und auch in nördliche Richtung sind wir ziemlich weit vorangekommen, nämlich bis auf die finnischen Aland-Inseln. Der Törn begann mit einer Improvisation, denn während unserer Anreise erhielten wir von der abgebenden Crew die Nachricht, dass sie wegen schlechten Wetters am letzten Tag nicht nach Kappelskär nördlich von Stockholm segeln konnte. Das bedeutete für uns, dass wir zusätzlich mit der Nachtfähre von Kappelskär auf die Aland-Inseln fahren mussten. Den Rest der folgenden kurzen Nacht verbrachten wir dann mit acht Mann auf der »Heide-Witzka«.

So, wie es sich für Finnland gehört, gab es im Hafen von Mariehamn nicht nur ein Waschhaus, sondern gleich eine Sauna, die mitbenutzt werden konnte. Die faszinierende Landschaft der Aland Inseln konnten wir allerdings in diesem Sommer 2000 nicht immer ungetrübt wahrnehmen, denn an jedem Tag zog innerhalb kürzester Zeit dichter Nebel auf, der uns mehrfach zu Unterbrechungen unserer Fahrt zwang. Kurze Zeit später folgte aber wieder strahlender Sonnenschein, so dass wir den Törn genießen konnten. Wir hatten dann gute Bedingungen für die Überfahrt zurück nach Schweden und konnten den Törn in den Stockholmer Schären ausklingen lassen. 20 Jahre Sommertörns mit der ersten, der zweiten und der dritten »Heide-Witzka« waren eine Erfolgsgeschichte. Das Engagement aller im Verein Beteiligten hat uns und genauso vielen anderen Crews grandiose Törns ermöglicht, die ohne den guten Zusammenhalt in der SKB und ohne die Tatkraft vieler Mitglieder nicht möglich gewesen wären. Die »Heide-Witzka« ist der zentrale Identifikationspunkt der Segelkameradschaft Buchholz und nach meiner Auffassung damit auch die Grundlage dafür, dass 25 guten Jahren viele weitere erfolgreiche Jahre folgen werden. 

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