Bei den Schönen und Reichen

Die erste Nachricht von Dr. Rudi und seiner Crew ist eingegangen. Besatzung und Schiff (der Bootsmann würde die Reihenfolge in Schiff und Besatzung ändern) ist wohlauf.

 

Nachdem sich der Bootsmann und ich uns am Samstagmorgen von Bord geschlichen haben, ist die HEIDE-WITZKA am frühen Nachmittag ausgelaufen. Da die zu bewältigende Distanz bis zum Übergabehafen Marseille überschaubar ist, lief sie zunächst in entgegengesetzter Richtung, Kurs Ost in Richtung Cagnes-sur-Mer, vorbei an Cannes bis nach Villefranche-sur-Mer. Erfreulicherweise fand sich im Stadhafen tatsächlich noch ein Plätzchen für die HEIDE-WITZKA. Nach glaubhafter Aussage von der Crew fand sich dort eine deutlich bessere Infrastruktur als im Werfthafen von Antibes.

Der Skipper wusste in einem längeren Telefonat heute Abend zu berichten, dass sich der Crew die Funktionsweise eines an der Steuerbordreling angebrachten Baumstammes in abgeflachter Form nicht zur Gänze erschlossen hat. Seiner Aussage nach lässt sich dieses Teil, das erst nach mehrmaligem Nachfragen als die bordeigene Gangway identifizieren ließ, zu allem möglichen gebrauchen, nur nicht zum Auslegen am Achtersteven, weil sie einfach zu schwer sein.

Wie die Beatzung dies gelöst hat, ließ sich nicht in Erfahrung bringen, ich vermute, dass aufgrund die Mischung aus Maschinenbauingenieur, promoviertem Akademiker und einem, der die Arbeiten ausführt, zur Herbeiführung einer pragmatische Lösung geführt hat.

Am Montagmorgen ist die HEIDE-WITZKA aus Villefranche-sur-Mer ausgelaufen um sich den Hafen der "Schönen" und "Reichen" in Monte Carlo anzusehen. Dr. Rudi erklärte, dass es ihm ansatzweise peinlich gewesen sei, mit der HEIDE-WITZKA durch den Hafen des Fürstentums zu fahren, so unglaublich seien die dort vor Anker liegenden Schiffe.

Nachdem auch das Umrunden der "ECLIPSE" ( Eigner ein Herr Abramovich) nicht zu Verwicklungen geführt hat, nahm die HEIDE-WITZKA Kurs West und liegt nun heute Abend in einer Buch westlich von Antibes vor Anker.

 

Dr. Rudi und ich waren uns in unserem Gespräch einig, dass der Bootsmann mit der Auswahl der ersten Crew nach dem Aufbau doch die richtige Wahl getroffen hat. Die glückliche Zusammensetzung (oben beschrieben) führte dazu, dass die logischerweise auftretenden "kleinen Unzulänglichkeiten" nach dem ungewohnten Landtransport arbeitsteilig und konsequent durch massiven Einsatz deutscher Ingenieurskunst behoben wurden und dass die nachfolgenden Crews ein dann wirklich ausgereiftes Schiff segeln können.
Die Ernsthaftigkeit der Bemühungen, dafür an dieser Stelle Dank an die Crew, lässt sich daraus ableiten, dass Dr. Rudi nicht nur mehrfach Telefonate nach einer passenden Segellatte (der geneigte Leser erinnert sich, dass die Aufbaucrew diese schlicht in Buchholz vergessen hat) durchgeführt hat, sondern dass er auch mehere längere Fußmärsche auf der Suche nach einer solchen in Kauf genommen hat. Was das bedeutet, weiß jeder, der unseren Rudi kennt. (Ausspreche Anerkennung)

Hinsichtlich der möglichen Rückforderungen der Chartergebühr aufgrund der Erforderlichkeit von "kleinen Verbesserungsarbeiten" habe ich Dr. Rudi an den Vorstand verwiesen.

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