Werftzeit

Hallo Karlo,

in den letzten Tagen war - wie du schon vermutet hast – nichts Aufregendes zu berichten.

Am vergangenen Montag (nun schon vor über einer Woche) waren wir um 23:15 Uhr im Hafen von Lajes auf Flores fest. Das letzte Abenteuer dieses Reiseabschnittes war die Ansteuerung dieses kleinen Hafens bei Nacht. Die Einfahrt war sehr schmal und wurde im Norden durch eine Reihe von scharfkantigen Felsen begrenzt, die man im Dunkeln nur durch das gespenstische Aufleuchten der Brandung erkennen konnte.

Am folgenden Tag bekamen wir Besuch vom Sachverständigen der Versicherung, der die Beschädigungen in Augenschein nahm. Mit ihm wurde das weitere Vorgehen besprochen. Am frühen Nachmittag nahm er mich mit zum Inselflugplatz in Santa Cruz. Dort mietete ich einen Micra, der bei einem Tarif von etwas über 20,- Euro pro Tag günstiger kam als zwei Taxifahrten zwischen Flugplatz und Hafen. Jan Jakob, der Lena als Crew-Mitglied ablösen sollte, kam pünktlich mit dem Inselhopper an, nachdem er seit Sonnabend in Horta auf diese Verbindung warten musste.

Nun waren wir für einige Tage zu fünft an Bord, da Lenas Rückflug erst am Freitag von statten gehen konnte. Leider war nur an diesem Dienstag das Wetter so gut, dass wir einen Eindruck von der wunderschönen Insel bekommen konnten. Trotz Regen und Nebel ab einigen Hundert Metern Höhe besuchten wir die zahlreichen Krater-Seen, Hochmoore und Wasserfälle. Werner konnte uns sachkundig die Entstehung der Moore erläutern und die diversen Moosarten zeigen. Auch die abenteuerlichen „Häfen“, die lediglich aus einer felsumsäumten Mini-Bucht und einer Rutsche für die erlegten Wale bestanden, beeindruckten uns sehr und ließen eine Ahnung über den harten Job der Walfänger, die in früheren Zeiten das Wirtschaftsleben auf den Azoren prägten, aufkommen.

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Am Freitagmorgen ging Lenas Flug nach Horta. Nachdem sie uns verlassen und den Mietwagen mit zum Flugplatz genommen hatte, checkte ich kurz den neuesten Wetterbericht und wir beschlossen, ebenfalls die 130 sm nach Horta in Angriff zu nehmen. Nur so hatten wir die Chance, noch vor Ostern dort zu sein, um die notwendigen Reparaturen einzuleiten. Um 10:00 Uhr waren die Leinen los und die schaukelige „Motorboot-Fahrt“ begann. Beim Verlassen des Hafens wunderten wir uns noch einmal, dass es uns in der Nacht so reibungslos gelungen war, die Einfahrt zu treffen.

Am anderen Morgen passierten wir die Südküste der Insel Faial auf Höhe des dortigen Flugplatzes genau zu der Zeit, als Lena dort auf ihren Weiterflug über Lissabon nach Hamburg eingecheckt hatte. Um 10:15 Uhr, also fast genau einen Tag nach der Abfahrt machten wir an der Empfangspier von Horta fest.

Nach den Einklarierungs-Formalitäten konnte ich noch am Vormittag mit Duncan Sweet, dem Boss von „Mid Atlantic Yacht Service“ (MAYS) den Arbeitsplan besprechen, der aus der Heide-Witzka wieder ein Segelschiff machen sollte. Leider kam uns das Oster-Wochenende dazwischen, sodass MAYS und der Segelmacher Ralf Holzerland erst am Montag mit ihren Arbeiten beginnen konnten. Wir waren mit Aufräum- und vorbereitenden Arbeiten ausreichend beschäftigt, fanden aber auch Zeit, das nähere Umfeld dieses berühmten Seglerhafens zu erkunden.

Nun ist Mittwoch und wir hoffen, dass heute das neue Vorstag montiert werden kann. Die Tücher sind vom Segelmacher zurück und teilweise von uns schon wieder montiert; der Rest folgt heute. Wir scharren inzwischen deutlich mit den Hufen, denn wir wollen wieder hinaus auf See, um den zweiten Abschnitt unserer Reise endlich in Angriff zunehmen.

Grüße an alle, die es angeht

Norbert und Crew

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