Noich 200 SM bis Flores

Hallo Karlo,

Irgendwie kriegt man die Elektronik immer mal wieder in den Griff; der gestrige Bericht ist hoffentlich angekommen.

Nachdem wir die notwendigen und mit eigenen Mitteln möglichen Arbeiten zur Sicherung des Schiffes erledigt hatten und wieder auf Kurs waren,  gewannen wir die Erkenntnis, dass mit diesem Schiffszustand Segeln nicht mehr möglich war. Alle Überlegungen, eine Art Notbesegelung aufzubauen, mussten aufgegeben werden, da sie die Standfestigkeit des Mastes gefährden würde. Damit stellte sich die Frage: schaffen wir es mit eigener (Maschinen-) Kraft unser Ziel zu erreichen? Immerhin waren wir noch ca. 660 Seemeilen von unserem Ziel entfernt und kamen gegen See und Wind mit zeitweise gerade einmal 1 – 2 kn voran. Hochgerechnet hätte das eine Fahrzeit von über 10 Tagen ergeben.

(Jetzt musste ich meine Schreibe unterbrechen, da der GPS-Empfänger wieder mal ausgefallen ist)

Deshalb haben wir ernsthaft über eine Schlepperhilfe nachgedacht, die uns schneller vorangebracht und zudem das Betanken auf hoher See überflüssig gemacht hätte.

Zwischenzeitlich hatte sich auf Vermittlung von Jens und Anja der Sachverständige der Kaskoversicherung in das Verfahren eingeklinkt. Er brachte gute Nachrichten mit: das Wetter wird besser und ein geeignetes Schiff wird zu unserer Unterstützung zu uns kommen. Und tatsächlich: am Freitagmorgen kurz vor Sonnenaufgang tauchte am Horizont ein Schiff auf, das sich uns rasch näherte. Es handelte sich um die „Juan de la Cosa“, ein Schiff des spanischen Ministeriums für Arbeit und Soziales, das für die Unterstützung der Fischereiflotte der EU in diesem Seegebiet zwischen Europa und den USA operiert.

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Die „Juan“ erwies sich als ein Sechser im Lotto. Sie hatte für Alles und Jedes Fachleute an Bord, sogar einige, die was vom Segeln verstehen. Um 6:00 war ihr Beiboot längsseits und Lena wurde als Kommissionär an Bord der „Juan“ verholt, um dort mit dem Kapitän und dem Versicherungsvertreter das weitere Vorgehen abzusprechen.

Bei Lenas Rückkehr brachte das Boot einige hundert Liter Diesel mit sowie einen Elektriker, der unser Satellitentelefon wieder reparierte. Bei einer weiteren Pendelfahrt wurden wir auch noch mit Unmengen an frischem Proviant versorgt. Am Nachmittag kam erneut ein Einsatztrupp an Bord, um auf Wunsch der Versicherung eine weitere Mastsicherung anzubringen. Mit dem Versicherungsvertreter kam ich dann überein, zunächst auf Schlepphilfe zu verzichten und den Kurs zur Insel Flores abzusetzen, da die Strecke kürzer sei als nach Horta auf Faial und dorthin weniger Wind und Seegang herrsche.

Nun sind wir also Motorboot-fahrend unterwegs und haben inzwischen weniger als 200 sm bis zu unserem Zwischenziel vor dem Bug. Im respektvollem Abstand folgt uns die „Juan de la Cosa“ oder fährt uns voraus. Dabei sind wir immer im Funkkontakt. Damit die Sache spannend bleibt, bahnte sich gestern ein Motorausfall an. Da wir mit unserem Bordwekzeug keine Chance hatten, den Haupt-Spritfilter zu lösen, kam die freundliche Crew der „Juan“ (Chief und 2. Ingenieur) an Bord und löste den Filter und das Problem.

Ich hoffe, dass sich in den nächsten Tagen nichts Berichtenswertes ereignet und ich mich dann wieder von der schönen Insel Flores melden kann.

Gruß

Norbert und Crew

Link zur Route der HEIDE-WITZKA

Position am 13042014

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