Letzte Meldung vor dem Crewwechsel

Last News vom Karibiktörn 5.

Es war noch ein toller Abend in der Barefootbar auf Coopers Island. Anschließend suchten wir mit dem Dinghi die Heide-Witzka und fanden sie auch irgendwann. Da wir von Roadtown erst spät ausliefen, war das Mooringfeld  bei Coopers Island vollständig belegt und viele Yachten ankerten bereits davor. So blieben wir sehr weit abseits. Trotz der späten Stunde befestigten wir den Außenbordmotor an der Relingshalterung sicherten ihn mit einem Stahlseil. Das Dinghi sollten nächsten morgen für den großen Schlag an Deck gehoben werden. Schließlich brächte und ja jede Geschwindigkeitserhöhung eine erhebliche Zeiteinsparung.

 

Na, das hatte sich am nächsten morgen ja erledigt, als wir nur noch ein Reststück vom abgeschnittenen Seil an der Klampe fanden.

Eine polizeiliche Meldung haben wir unterlassen, schließlich hätten wir bei 6 Einwohnern nach Road Town zurücklaufen müssen und hätten die Rückfahrt zeitlich nicht geschafft. Mit den Erfahrungen beim Ein- und Ausklarieren gerade unter dem Zeitaspekt mit hierbei schon penetranter karibischer Gemütlichkeit, wäre es sicherlich ein aussichtsloses Unterfangen gewesen.

So verließen wir zwar ohne Dinghi aber mit außerordentlich großer Wehmut die BVIs. Ich denke, wir werden auf jeden Fall irgendwann hierher zurückkehren.

Weiter draußen erwartete uns der böige karibische Wind und eine Welle von diesmal nur 2 Meter Höhe. Auf der Kreuz machten wir gute Fahrt, die direkte Entfernung betrug ja nur 80 sm, aber Wind, Welle und ein hier üblicherweise nach Westen setzender Strom von bis zu einem Knoten, verlängerten den Trip auf 135 sm.

Andere Segler waren kaum unterwegs, so segelten wir ziemlich allein auf der offenen See in die erste Nacht hinein. Mit Rotlichtlampen ausgestattet, den viel zu hellen Plotter abgedeckt und teilweise abgedunkelten Hecklicht rauschten wir durch die Nacht.

Wir genossen den gewaltigen Sternenhimmel und das Meeresleuchten unserer Bug- und Heckwellen. Ab und zu sahen wir am Horizont einzelne Kreuzfahrer, die wie beleuchtete Städte auftauchten und bald wieder verschwanden.Wer hat eigentlich das AIS abgeschaltet? Es hätte uns teilweise ein besseres Gefühl gegeben.

Am Morgen begegnete uns dann tatsächlich mal ein anderer einsamer Segler auf Gegenkurs. In dieser Meereseinöde schon unwahrscheinlich und zumal dann so genau, das er noch ein Ausweichmanöver fahren musste. Gegen Mittag machten wir dann Delfine aus. Eine Schule von ca. 10 Delphinen begleitete unsere Fahrt für ca. eine viertel Stunde, bevor sie dann wieder einen anderen Kurs absetzten.

Natürlich bekam die Crew unterwegs tüchtig Kohldampf. Aber wollten wir wirklich Zeit verlieren und beiliegen?
Nein, also Schmalkost, den Topf raus und Nudeln hinein. Man wundert sich, was trotz Seegang und Windsee alles möglich ist.
Bald hatten wir die Insel Saba querab und als die nächste Nacht hereinbrach, allerdings erst nachdem wir noch mit einem fantastischen Sonnenuntergang belohnt wurden, konnten wir die Lichter von St. Marteen am Horizont ausmachen. Also Kurs dorthin abgesetzt, wollten wir doch mal wieder ruhig schlafen.
Gegen Mitternacht liefen wir in die Bucht ein und machten am Steg in Bobbys Marina fest. Nun hieß es schnell noch die Vorräte an Caribs (das hiesige Bier) auf den Steg gehievt, dazu, wie es sich hier gehört, ein Stückchen Limetten durch den Flaschenhals gedrückt und Prost auf die geglückte Fahrt. Hui, was doch der festzementierte Steg, nicht bevor das erste Bier getrunken war, für rollende und schaukelnde Bewegungen vollbrachte.
Nun aber ab in die Kojen!
Eine ruhige Nacht und guter Schlaf, wir hatten es verdient.
Morgens dann einkaufen und Diesel bunkern, der Liter für 1,2 Dollar, ein Schnapper und anschließend unter Maschine in drei Stunden rüber nach St. Barth dem abgesprochenen Übergabehafen. Wieder unseren Erwartungen tat die Maschine zuverlässig ihren Dienst, als wenn nichts gewesen wäre. Weiß der Teufel, warum sie uns vorher so gequält hatte.

Mit freundlichen Grüßen
Gunther Hammer

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